Anfänge und Entwicklungen

VON JOHANNES NIEHAUS, SANDRA SCHULTE, JENS HOFFMANN

Wie in vielen anderen Gegenden Deutschlands gab es die Hitlerjugend schon vor der eigentlichen Machtergreifung der NSDAP. So gruppierten sich schon 1929 über 13.000 Jugendliche in ganz Deutschland unter dem Reichsjugendführer Gruber in der Hitlerjugend. Die ersten Ortsgruppen der Hitlerjugend in der Grafschaft gab es im Raum Bad Bentheim und Gildehaus spätestens 1931. Die erste größere Veranstal-tung der Hitlerjugend war ein Zeltlager, das im selben Jahr vom 12. bis zum 14. August in Neuenhaus stattfand[Vgl. Lensing, Helmut (2006): „Der Aufstieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück (2006): S. 269f.].
Schon bis zum 1.Mai 1933 hatte die Hitlerjugend einen so großen Einfluss, dass am Tag der „Machtergreifung“ Hitlers ein Feldgottesdienst an der Freilichtbühne in Bad Bentheim und mehrere Festumzüge in der ganzen Grafschaft veranstaltet wurden [Vgl. Titz, Hubert (Hg): Bad Bentheim – Aspekte einer Stadtgeschichte. 1. Aufl. – Bad Bentheim: Hellendoorn, 1996.]. Bis dahin hatten sich bereits überall neue Ortsgruppen gebildet. So berichtet Heinz Feldkamp [Vgl. Zeitzeugenbefragung von Titz, Hubert(1993): „Jugend im Dritten Reich“. In Bentheimer Jahr-buch 1994. Bad Bentheim (1994) Hellendorn: S. 171], der 1922 in Neuenhaus geboren wurde und die Zeit des Nationalsozia-lismus bei seiner Tante in Brandlecht erlebte, dass er im Mai 1933 in die Ortsgruppe Brandlecht eintrat. Eine Ortsgruppe in einer solch kleinen Ortschaft lässt darauf schließen, dass die Grafschaft schon zu diesem Zeitpunkt von den Nationalsozialis-ten vollkommen durchorganisiert worden war.
Ein weiteres Ereignis kurz nach der Machtergreifung war die Sonnenwendfeier [Vgl. Staatsarchiv Osnabrück: Bentheimer Zeitung vom 26.06.1933] auf der Freilichtbühne in Bad Bentheim, bei der mehrere hochrangige Vertreter der NSDAP anwesend waren und die Hitlerjugend aufmarschierte, nachdem zuvor am Nachmittag die geplanten sportlichen Wettkämpfe auf wegen Regens ausgefallen waren.
Die Nationalsozialisten versuchten unter anderem durch Mundpropaganda und Zei-tungsartikel Jugendliche für die Hitlerjugend zu begeistern. Dabei nutzen sie auch die „Bentheimer Zeitung“, in der extra Beilagen nur für Jugendliche erschienen. In diesen wurde, zum Beispiel durch das Aufzeigen verschiedener Laufbahnen, ver-sucht, Jugendliche davon zu überzeugen, dass eine Mitgliedschaft notwendig war. Des Weiteren wurden vorgefertigte Propagandaschriften [Vgl. Staatsarchiv Osnabrück: Bentheimer Zeitung vom 30.12.1933] gedruckt, die die Zeitungen laut Herrn Kip [Vgl. Zeitzeugengespräch mit Herrn Kip, Recklinghausen 12.04.2008] vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda aus Berlin erhielten.
Insgesamt vollzog sich der Prozess des Aufbaus der Hitlerjugend ähnlich schnell wie die Bildung der nationalsozialistischen Strukturen in der Grafschaft.

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