Aufgaben der Hitlerjugend

VON JOHANNES NIEHAUS, SANDRA SCHULTE, JENS HOFFMANN

Die Aufgaben der Hitlerjugend waren bis auf wenige Ausnahmen ähnlich. Sie dienten alle der militärischen und ideologischen Ausbildung. Das lässt sich deutlich an den Berichten der Zeitzeugen erkennen. Marschieren, Salutieren und Antreten gehörten zum Pflichtprogramm. Herr Kip als Fähnleinführer war zum Beispiel für einen disziplinierten und vorschriftsmäßigen Ablauf der Treffen verantwortlich [Zeitzeugengespräch mit Herrn Kip, Recklinghausen 12.04.2008]. Zu jedem Treffen gehörten ein Fahnenappell und das Vorlesen aktueller Propagandaschriften. Die meiste restliche Zeit wurde mit Wehrertüchtigungsspielen verbracht, die der körperlichen Fitness dienten und spielerisch auf den Krieg vorbereiten sollten (vlg. hierzu den Zeitungsartikel: “Unsere Jugend schuf sich einen Schießstand”). Herr Feldkamp berichtet von seinem Leistungsbuch [Aus: Zeitzeugenbefragung von Titz, Hubert(1993): „Jugend im Dritten Reich“. In Bentheimer Jahr-buch 1994. Bad Bentheim (1994), Hellendorn: S. 181 ], in dem vermerkt wurde, wie er in den einzelnen Disziplinen abgeschnitten hatte. Zu diesen Disziplinen gehörten unter anderem ein Hundertmeterlauf, Weitsprung und Keulenwerfen, aber auch militärspezifische Übungen wie Kleinkaliber-Schießen, Geländekunde, Entfernungen schätzen, Tarnung und Sinnesschärfung. Darüber hinaus sollte jeder Jugendliche grundlegende geschichtliche Daten Deutschlands kennen, die eng mit den nationalsozialistischen Grundgedanken verknüpft waren. Antworten auf Fragen wie „Was weißt du über deine Heimat?“ oder „Welche Maßnahmen hat der nationalsozialistische Staat zur Reinerhaltung des deutschen Blutes getroffen, sprich Nürnberger Gesetze?“ wurden den Hitlerjungen abverlangt. Darüber hinaus organisierte die Hitlerjugend Zeltlager, wie das am Anfang erwähnte in Neuenhaus. Auch in diesen Zeltlagern ging es vor allem um die Vertiefung der eben genannten Disziplinen und Ideologien und um die Bildung eines Zusammengehörigkeitsgefühls. Weiter gab es auch feste Hitlerjugendheime, die nur von den Hitlerjugendgruppen der Grafschaft genutzt wurden. So gab es Wehrertüchtigungslager auf dem Isterberg und in Melle und auch das Kloster Frenswegen wurde zu einem Ausbildungslager, genannt „Hans-Queitsch-Heim“, umfunktioniert. Zu diesen Orten wurden die Jugendlichen dann mit der Bahn gebracht und verbrachten dort das Wochenende oder teilweise auch längere Zeiträume. In Frenswegen, erzählt Herr Kip, kam es einmal während des Krieges zu einer Vorführung einer Panzerfaust. Dabei schoss ein auf Grund einer Verletzung heimgekehrter Wehrmachtssoldat mit einer Panzerfaust auf einen alten, eisernen Ofen, um den Jugendlichen zu demonstrieren, wie sie mit einer Panzerfaust umzugehen hätten.
Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Ausbildung mit Ausbruch des Krieges immer militärischer wurde. So berichtet Herr Kip weiter, dass die Jungen im Winter 1943 mit Karabinern aus Italien ausgerüstet wurden, die dort, wegen des Austritts Italiens aus dem Krieg nach dem Einmarsch der Deutschen, nicht mehr zur Verwendung ka-men und sogar ihren Weg in die Grafschaft fanden.
Auch kamen zu den normalen Aufgaben wie das Durchführen von verschiedenen Sammlungen (Altkleider, Altmetall, etc.) neue hinzu. So musste Herr Kip in einem Ferienlager auf Norderney „Brombeerblätter für den Endsieg“ und andere Kräuter sammeln. Dabei wurden sie von Veteranen der Wehrmacht beaufsichtigt. Des Weiteren mussten sie auch hier militärische Übungen abhalten und zum Beispiel den Strand entlang robben, was laut Herrn Kip sogar den hartnäckigsten Anhängern der Hitlerjugend unter den Jugendlichen nicht sinnvoll erschien. Trotzdem waren die Jugendlichen zu dieser Zeit noch immer vom Endsieg und anderen Parolen, die ihnen eingebläut worden waren, überzeugt [Vgl. Zitat Herr Kip, Zeitzeugengespräch mit Herrn Kip, Recklinghausen 12.04.2008].
Es gab allerdings aus Sicht der Jugendlichen auch erfreulichere Veranstaltungen. Zu diesen zählten die Heimabende, die in den örtlichen Hitlerjugend-Heimen stattfanden. Dort wurde dann zum Beispiel mit den Mädchen des Bundes Deutscher Mä-del gesungen [Vgl. Aus: Zeitzeugenbefragung von Titz, Hubert(1993): „Jugend im Dritten Reich“. In Bentheimer Jahrbuch 1994. Bad Bentheim (1994), Hellendorn: S. 177]. Dies waren laut Herrn Kip die einzigen Möglichkeiten, mit Mädchen in Kontakt zu kommen.

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