Strukturen in der Grafschaft

VON JOHANNES NIEHAUS, SANDRA SCHULTE, JENS HOFFMANN

Die oberste Führung hatte der Reichsjugendführer inne. Ihm unterstanden die „Gebiete“. Die Grafschaft gehörte zum „Gebiet 7 Nordsee“, das in etwa dem heutigen Bezirk Weser-Ems entspricht. Sie zählte am Anfang zum „Bann 148 Lingen“. Später wurde dieser geteilt und sie wurde zum eigenständigen „Bann 500“ [Vgl. Zeitzeugenbefragung von Titz, Hubert(1993): „Jugend im Dritten Reich“. In Bentheimer Jahr-buch 1994. Bad Bentheim (1994) Hellendorn: S. 175 f.]. Der damalige Bannführer war Hans Krabbe. Laut Herrn Kip [Vgl. Zeitzeugengespräch mit Herrn Kip, Recklinghausen 12.04.2008] war er ein schielender, hagerer Mann, der deshalb den Spitznamen „Gandhi“ trug. Der indische Gandhi galt den National-sozialisten als propagandistisch genutztes Vorbild, da er den Freiheitskampf gegen die Engländer anführte. Herr Kip lernte Herrn Krabbe als eher distanzierten und auf Grund seines Amtes leicht arrogant wirkenden Menschen kennen, von dem er allerdings nie etwas Auffälliges gehört hat.
Krabbe trat stets mit einer kleinen Gefolgschaft auf und übte bei vielen Veranstaltungen der Hitlerjugend eine kontrollierende Funktion aus.
Unter ihm standen die drei Stammführer für Nordhorn und die Ober- und Niedergrafschaft. Dies war in der Niedergrafschaft Ludwig Hilbrig, der trotz kriegsfähigem Alter wegen Augenproblemen nicht eingezogen wurde und von Herrn Kip als freundlich beschrieben wird. In der Obergrafschaft hatte diesen Posten der Lehrer Schulz inne, der als streng galt.
Die Stämme waren unterteilt in bis zu 4 Fähnlein. Herr Kip war der Fähnleinführer in Neuenhaus und Umgebung, nachdem ihm das Amt im Herbst 1943 von Herrn Krabbe übergeben wurde, weil der vorherige Fähnleinführer eingezogen worden war. Der Jungzugführer „Fritz“ fühlte sich dabei übergangen, da eigentlich er der Stellvertreter gewesen war. Über die genauen Gründe, warum er vorgezogen wurde, kann Herr Kip nur Vermutungen anstellen. Danach habe er Herrn Krabbe nie gefragt, da man so etwas nicht getan habe und er natürlich auch stolz gewesen sei, dass ihm dieses Vertrauen zugesprochen wurde. Es könnte allerdings daran gelegen haben, dass er als Verlegersohn eine Schreibmaschine besaß, die für das Erstellen von Befehlen benötigt wurde und die er zu benutzen verstand.
Insgesamt ist anzumerken, dass Herr Kip ausschließlich Informationen und Begriffe des Jungvolkes benutzt, was daran liegt, dass er, als er das Alter für die Hitlerjugend ereichte, Fähnleinführer wurde und so trotz des zu hohen Alters im Jungvolk blieb. Im späteren Verlauf des Krieges gab es außerdem keine vollständige Hitlerjugend mehr in der Grafschaft. Vorher teilte sie sich, wie Herr Kip und Herr Feldkamp berichten, in verschiedene Abteilungen wie die Motor-, Marine- und Flieger-Hitlerjugend, wobei es in der Grafschaft wohl nur „Motorscharen“ unter anderem in Neuenhaus gab [Vgl. Zeitzeugenbefragung von Titz, Hubert(1993): „Jugend im Dritten Reich“. In Bentheimer Jahr-buch 1994. Bad Bentheim (1994), Hellendorn: S. 175].

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