Überzeugung der Jugendlichen

VON JOHANNES NIEHAUS, SANDRA SCHULTE, JENS HOFFMANN

Warum traten die Jugendlichen in der Grafschaft Bentheim der Hitlerjugend bei? Für den Eintritt gab es unterschiedliche Gründe. Für Herrn Kip ist einer der Hauptgründe, dass die Jugendlichen zusammenkommen konnten und sich etwas in ihrem tristen Dorfleben ereignete. Natürlich kam bei ihm auch hinzu, dass die Mitgliedschaft, als er zehn Jahre alt wurde, schon seit 1936 verpflichtend war [Siehe auch Bekanntmachung des Bürgermeisters von Emlichheim am 27.01.1941 in: „Emlichheim und Umgebung im 3. Reich“ Hrsg.: Heimatfreunde Emlichheim und Umgebung e.V., Red.: Albert Arendt S. 38], was für ihn aber nicht ausschlaggebend war.
Für Herrn Feldkamp wiederum war die Teilnahme bei seinem Eintritt im Mai 1933 noch nicht verpflichtend, trotzdem gab es für ihn mehrere Gründe, die ihn für die Hitlerjugend begeisterten. Er hatte einerseits Angst ohne Mitgliedschaft keine Lehrstelle zu bekommen, andererseits gab es für Mitglieder in der Hitlerjugend den Staatsjugendtag. Das bedeutete, dass sie am Samstag schulfrei bekamen und stattdessen „Dienst“ leisten mussten, was, wegen der inkonsequenten Betreuer, meistens bedeutete, dass den ganzen Vormittag Fußball gespielt wurde. Somit war es vor allem der Spaß, der Herrn Feldkamp in die Hitlerjugend zog [Vgl. Zeitzeugenbefragung von Titz, Hubert(1993): „Jugend im Dritten Reich“. In Bentheimer Jahr-buch 1994. Bad Bentheim (1994), Hellendorn: S. 176].
Es gibt aber auch negativere Stimmen, die davon berichten, dass sie nicht freiwillig, sondern aus Angst vor etwaigen Konsequenzen beitraten [Zeitzeugengespräch mit Stegemerten, Anna vom 8.03.2008]. Außerdem gab es auch in der Grafschaft Druck von überzeugten Nationalsozialisten und die Kinder ließen sich von Autoritätspersonen, wie zum Beispiel Lehrern oder Pastoren leicht beeinflussen.
Von Seiten der Eltern war die Mitgliedschaft nicht immer erwünscht. So berichtet der Chronist der evangelischen Volksschule Laar, dass es den Kindern von ihren Eltern verboten wurde, der Hitlerjugend beizutreten, obwohl diese das gerne getan hätten [In: „Emlichheim und Umgebung im 3. Reich“ Hrsg.: Heimatfreunde Emlichheim und Umgebung e.V., Red.: Arendt, Albert].
Die überwiegende Mehrheit nahm jedoch irgendwann teil, spätestens, nachdem es verpflichtend wurde. So wurde den Jugendlichen durch „Spiel und Spaß“ Disziplin, Gehorsam, körperliche Fitness und vor allem die nationalsozialistische Ideologie näher gebracht. Herr Kip berichtet, dass es kein Problem gewesen sei, der neuen Aufgabe als Fähnleinführer nachzukommen, da die Jugendlichen „Befehl und Gehorsam gewohnt waren“ und „die Klappe hielten, wenn sie nichts zu sagen hatten“. Auch setzte sich die Ideologie in den Köpfen der Jugendlichen fest und viele waren sogar am Ende des Krieges noch vom „Endsieg“ überzeugt. Herr Kip berichtet, dass die Jugendlichen nie daran gedacht hätten, dass Deutschland den Krieg verlieren könne.
Bei der Judenverfolgung scheint die Hitlerjugend in der Grafschaft jedoch nicht eingebunden gewesen zu sein. So können sich weder Frau Stegemerten noch Herr Kip oder Herr Feldkamp daran erinnern, dass es geplante oder offizielle Aktionen der Hitlerjugend gegen Juden gab. Vielmehr handelte es sich um ausgegrenzte Bürger, die nach und nach verschwanden, so Herr Kip. Zum Beispiel sei ein Nachbar in seinem Alter Jude gewesen, doch „von dem hat man plötzlich nichts mehr gehört“, und als er seine Eltern fragte, was passiert sei, antworteten sie nur: „Das geht euch nichts an. Das hat mit dem Krieg zu tun.“ Außerdem hätte man sich als Jugendlicher nicht lange Gedanken darüber gemacht, da die meisten Familien andere Probleme hätten [Zitat Herr Kip, Zeitzeugengespräch mit Herrn Kip, Recklinghausen 12.04.2008]. Auch von den Konzentrationslagern habe man nichts mitbekommen. Diese wurden oft nur als „Konzertlager“ bezeichnet und die Kinder hätten das so hingenommen.

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