Anfänge und Entwicklung der NSDAP in der Grafschaft bis 1929

VON DINA NIEHAUS; DENNIS STEGEMERTEN; SIMON REEFMANN

Literatur: Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006

1920 existierte in der Grafschaft eine Gruppe national gesinnter Männer, die am Anfang mit der demokratiefeindlichen „Deutschen Volkspartei“ sympathisierte. Später gelangte, vermutlich durch den Krieg und durch Gäste im aufblühenden Kurbad, antisemitisches Gedankengut in die Grafschaft, in der es bis dahin keine antisemitischen Gruppen gab [Vgl. Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006, S. 259]. Nach dem Hitlerputsch im November 1923 wurde aus dieser Gruppe unter Führung von Dr. Josef Ständer die erste örtliche Vertretung der NSDAP in der Grafschaft Bentheim, zunächst aber unter dem Synonym „Völkisch-sozialer Block“, da die NSDAP nach dem Putsch verboten war. 1924 zählte diese Gruppe bereits 60 Mitglieder. Als die NSDAP 1925 von Adolf Hitler wieder neu gegründet wurde[Vgl. Wikipedia (2002): „NSDAP“. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Nsdap#Reorganisation_und_Splitterpartei_1924.E2.80.931930 (Stand: 15. Mai 2008)], schloss sich der Block sofort an. So entstand die erste Ortsgruppe der Grafschaft in Bad Bentheim. Kurz darauf folgte auch Nordhorn mit einer weiteren Gruppe. Die Mitglieder kamen vor allem aus der angesehenen Mittelschicht (Handwerksmeister, Bahnangestellte) und machten vor allem über mündliche Propaganda Werbung für ihre Partei.
Doch es gelang nicht, die Mitglieder länger an die Partei zu binden, so dass viele wieder austraten und die Ortsgruppe im April 1927 bereits auf eine einstellige Zahl an Mitgliedern geschrumpft war. Vorsitzender war zu der Zeit der Schornsteinfeger Hermann Siede.
In dieser Zeit traten auf Versammlungen immer wieder hohe Mitglieder aus der Partei auf und referierten über Themen wie „Rassenhygiene“ oder „Der nationale Sozialismus: Die Rettung Deutschlands!“ [Vgl. Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006, S. 264]. Laut der damaligen Presse erhielten die Redner meistens Beifall. Zu den bekanntesten Gästen gehörte der spätere SS-Leiter Heinrich Himmler. Er besuchte die Nordhorner Ortsgruppe 1927.
Zu dieser Zeit hatte die Partei aber noch einen sehr geringen Zuspruch in der Wählerschaft, was daran lag, dass die NSDAP vor allem auf städtische Arbeiter ausgerichtet war. Anklang bei der Landbevölkerung fand man nicht.
Erst als es 1928 zu Protesten der Bauernschaft in der Grafschaft kam, weil sie mit mehrjährigen Missernten und schlechten Preisen zu kämpfen hatte, konnte die NSDAP als „Retter des Bauerntums“ [Vgl. Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006, S. 265] auch bei der Landbevölkerung auf Stimmenfang gehen.
1929 verstärkte die NSDAP noch einmal das Bemühen um Anhänger und „überzog […] die Grafschaft mit Parteiversammlungen“ [Vgl. Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006, S. 266]. Hauptredner war der damals deutschlandweit bekannte evangelische Pastor Ludwig Münchemeyer [Vgl. Wikipedia (2006): „Ludwig Münchemeyer“. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_M%C3%BCnchmeyer (Stand: 15. Mai 2008)], der durch seine besonders aggressive Hetze gegen Juden auffiel. Nachdem Münchemeyer sein Amt als Pastor wegen seiner Übergriffe auf Frauen verloren hatte, heuerten die Nationalsozialisten ihn als Hetzredner an.

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