Josef Ständer über die Entwicklung der NSDAP in der Grafschaft

Dr. Ständer: Die geschichtliche Entwicklung der NSDAP im Kreise Grafschaft Bentheim. In:
Das Bentheimer Land XI. Herausgegeben von Rektor H. Specht. Bentheimer Heimatkalender 1936. Verlag des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim e.V.. Bad Bentheim 1935.

QUELLE ABGETIPPT VON SIMON REEFMANN.

Die geschichtliche Entwicklung der NSDAP im Kreise Grafschaft Bentheim.
Von Kreisleiter Dr. Ständer, Gildehaus.
Der 9. November 1918 hatte die heutige Seele zerrissen. Er hatte das Volk gespalten in viele Parteien, deren jede nur an ihre eigenen Interessen dachte, wenn auch das Volk selbst zugrunde ging. Da stand am 25. Februar 1920 unser Führer Adolf Hitler in München auf und verkündete die 25 Thesen des Nationalsozialistischen Programms.
Es war wohl in erster Linie das tolle Hasten und Jagen der Inflationszeit, die sich hier bei uns an der holländischen Grenze ganz besonders bemerkbar machte, daß wir unbekümmerter waren um das Geschehen in der Politik. Doch ein 9. November 1923, der so verheißungsvolle und ersehnte Versuch einer nationalen Erhebung, ließ uns aufhorchen. Als dann unmittelbar auf diesen 9. November 1923 die Inflation plötzlich abgestoppt wurde, erkannten wir Zusammenhänge, die sich uns weiter und intensiver mit dem politischen Leben befassen ließen. Die N.S.D.A.P. war verboten, jene Bewegung von der wir ahnten, daß nur sie unser deutsches Schicksal wieder zum Besseren würde wenden können. Deshalb gründeten wir in der Grafschaft Bentheim Ende 1923 den völkisch-sozialen Block, der einen Ersatz bildete, solange die N.S.D.A.P. verboten war. Wir trommelten für die Wahlen im Mai und Dezember 1924. Die Ortsgruppe Bentheim des völkisch-sozialen Blocks zählte damals bereits ca. 60 Mitglieder. Es fehlte jedoch die straffe, einheitliche Organisation, und deshalb waren wir erfreut, als unser Führer im Februar 1925 nach seiner Entlassung aus der Festungshaft die N.S.D.A.P. wieder aufzog und die alleinige Führung übernahm.
Wir schlossen uns ihm sofort an, und so entstand in Bentheim damals die erste Ortsgruppe der nationalsozialistischen Bewegung. Von hier aus gründeten wir auch bald in Nordhorn eine Ortsgruppe. Wir wurden dem Gau Ruhr unter seinem Gauleiter Karl Kaufmann, dem jetzigen Gauleiter von Hamburg, zugeteilt und haben im Rahmen dieses Gaues gekämpft bis Ende 1928. Unseren Führer selbst lernten wir 1926 persönlich kennen in der Stadthalle in Osnabrück, wo er nur vor einer kleinen Zahl von Parteimitgliedern sprechen durfte, da ihm das damalige System das Reden in öffentlichen Versammlungen auf Jahre hinaus verboten hatte.
Den ersten größeren Aufmarsch machten wir am 23. und 24. April 1927 in Essen/Ruhr mit, an dem fast die ganze Ortsgruppe Bentheim, nämlich sieben Mann, teilnahm. Hier in Essen machten wir die erste Saalschlacht mit im Zentralhof Degener, Essen-West, wo unser leider inzwischen verstorbener Pg. Major a. D. Dincklage, der „Rucksackmajor“ aus Hannover, sprach. Wir bekamen hier einen Vorgeschmack von dem, was uns für die kommenden Jahre bevorstand. Doch um so unzerreißlicher, um so treuer und fanatischer hielten wir zusammen.
Am Reichsparteitag im September 1927 in Nürnberg nahmen wir mit drei Parteigenossen teil.
Ende 1928 wurden die politischen Gaue der N.S.D.A.P. den bestehenden Wahlkreisen angepaßt, und so kamen wir zum Gau Weser-Ems und erhielten damit unseren herrlichen Gauleiter Karl Röver. Mit ihm gemeinsam zu kämpfen, war eine reine Freude.
Ganz allmählich fing die Bewegung im Kreise Bentheim an zu wachsen, und jetzt schälten sich auch in anderen Orten des Kreises einzeln Parteigenossen heraus. Ein stärkeres Anwachsen der Bewegung im Kreise trat Ende 1929 ein, so daß zu Beginn des Jahres 1930 unser Gauleiter mich mit der Führung der N.S.D.A.P. im Kreise Bentheim betraute. Ungefähr zwei Jahre lang war unserem Kreise auch der Kreis Lingen angeschlossen.
Mit größter Stoßkraft konnten wir in der Wahl des 14. September 1930 hineingehen, wo die N.S.D.A.P. mit 107 Abgeordneten in den Reichstag einzog. In diese Zeit fallen zwei Saalschlachten, die wir in Lingen, der roten Hochburg, siegreich zu bestehen hatten.
Am 17. und 18. Oktober 1931 war jener gewaltige SA.-Aufmarsch in Braunschweig, an dem auch unsere SA. teilnahm. Auf der Rückfahrt wurde diese in Hannover von den Polizeigewalten Severings eingesperrt, weil sie das Braunhemd anhatte. Doch trotzdem war dies ein Erlebnis, das keiner wieder missen möchte.
Leider brachte uns der November 1931 einen schweren Schlag, indem unser braver Sturmführer Johann Tükkers aus Gildehaus von unserer Seite gerissen wurde. Unter gewaltiger Teilnahme der N.S.D.A.P. aus dem ganzen Kreise und aus Osnabrück trugen wir ihn unter Vorantritt der SA.-Kapelle Osnabrück zu Grabe. Dazu war die gesamte Landjägerei alarmiert, und das Begräbnis selbst wurde von zwei übereifrigen systemtreuen Landjägern in der schamlosesten Weise gestört.
Das Jahr 1932 brachte uns einen Rekord an Wahlen: die Opfer- und Arbeitsfreudigkeit unserer Parteigenossen wurde aufs äußerste angespannt. Doch alle halfen sie freudig mit, und wir haben uns daher hier im Kreise glänzend geschlagen. Mit dem 30. Januar 1933 wurden die Tore der Partei gesprengt, es folgte ein gewaltiger Zustrom zu ihr.
Aus dieser ganzen Entwicklung heraus lässt sich erkennen, daß, wie hier im Kreise so auch im ganzen Reiche, die nationalsozialistische Bewegung ein Jahrzehnt getragen wurde von einer ganz kleinen Minorität gläubiger, zielbewußter, treuer Kämpfer mit ihrem Führer Adolf Hitler an der Spitze. Und diesen allein hat das deutsche Volk seine Auferstehung am 30. Januar 1933 und seinen Wiederaufstieg zu verdanken. Sie haben allen Spott und Hohn über sich ergehen lassen, sie haben die größten Opfer an Gut und Blut gebracht, sie haben nichts danach gefragt, daß ihr Beruf größten Schaden litt, daß sie brotlos wurden, weil sie nur ein Ziel kannten.
Und dieses eine Ziel hieß:
Deutschland!

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