Karl Raapitz, Bürgermeister in Bad Bentheim 1938 – 1944. Die Bewerbung

ABGETIPPT VON TOBIAS BEUEL

Folgend ist ein Auszug aus der Bewerbung des Zollbeamten Karl Raapitz um die Stelle des Bürgermeisters von Bentheim von 1937 wiedergegeben. Dieser war ab 1938 Bürgermeister von Bentheim und fiel 1944 bei Paris.
Quelle: Staatsarchiv Osnabrück, Rep 430 Dez106 Akz 42/97 Nr. 63

Bewerbung des Oberzollinspektors Bentheim, den 10. September 1937
Karl Raapitz
in Bentheim
um die daselbst freigewordene
Bürgermeisterstelle.

Ich bewerbe mich hiermit um die durch den Weggang des Bürgermeisters Herrn Mikkelsen freigewordene und ausgeschriebene Stelle. […]

Am 1.12.1930 bin ich in die Partei eingetreten, Mitgliedsnummer 384 145. In der Partei hatte ich seit diesem Tage zuerst das Amt eines Kreisgerichts(Uschla)*-Vorsitzenden inne, später war ich daneben Leiter der damaligen Beamtenabteilungen in den Kreisen Ratibor Stadt und Land, die ich in den Jahren 1931 und 1932 gründete. Auch in den Nachbarkreisen Bauerwitz und Leobschütz tat ich das gleiche. Außerdem gehörte ich der S.A. an. Im übrigen arbeitete ich überall dort, wo in der Kampfzeit Platz für einen Mann war. So half ich Ortsgruppen gründen und stellte SA.-Abteilungen auf. Nach dem machtpolitischen Siege war ich Bezirksfachgruppenleiter -“Zoll“ der Provinz Oberschlesien und Gaufachschaftsleiter. Endlich war ich Kreispropagandaleiter, als Kreisschulungsleiter und Gauredner bin ich heute tätig. […]

Ich habe […] im Leben erkannt, daß nicht die Summe der Erfahrungen und das tote Wissen schlechthin bestimmend für das Leistungsvermögen eines Menschen – gleichviel auf welchem Platz – sind, sondern, daß Wille, Entschlußkraft und Verantwortungsbewußtsein die wesentlichen Voraussetzungen jeder wahren Leistung überhaupt sind; Erfahrungen und Wissen sind hierbei gut und notwendig, aber sie bleiben immer nur Hilfsmittel.

Es kommt mir deswegen nicht zu, viele Worte zu machen und mich womöglich selbst zu empfehlen. Ich glaube, ich bin in meiner Haltung als Mensch und in meiner politischen Arbeit dem Kreise Bentheim und der Gauleitung Oldenburg soweit bekannt, daß ich mich hierauf berufen kann […]

Die Verhältnisse in Bentheim kenne ich. Wenn ich die Stelle des Bürgermeisters erhalte, werde ich die Stadt in jeder Hinsicht führen, ungeachtet des Lobes oder Tadels einzelner Bürger, nach nationalsozialistischen Grundsätzen. Ich weiß, daß nicht Redensarten, sondern vorerst die kompromißlose Haltung zum eigenen Selbst das Fundament des Dritten Reiches ist, gesehen in der erzieherischen Werdung eines neuen Menschen. Daß hiernach von einem nationalsozialistischen Beamten besonders in leitender Stellung ein außergewöhnliches Maß an reiner Dienstleistung zu fordern und zu geben ist, ist mir klar.
Im übrigen fürchte ich keine Arbeit und sei sie noch so schwierig oder ausgefallen, da sie das nicht für denjenigen ist, der Grundsätze hat und sie ernstlich meistern will.

Als Schulbildung habe ich die Reife einer Oberrealschule. Zollverwaltungsseitig habe ich die üblichen Lehrgänge und Prüfungen hinter mir.

An Führerschulen der NSDAP. habe ich die Reichsschule in Bernau, die Gauschule in Bad Essen besucht; außerdem habe ich mich mehreren Schulungslehrgängen unterzogen. […]

Am Schluss versichere ich, daß ich keine Schulden habe.

Heil Hitler!

Karl Raapitz

* Anmerkung des Verfassers: Uschla = Untersuchungs- und Schlichtungsausschüsse, Vorläufer der ab 1933 bestehenden Parteigerichte der NSDAP

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