Ursachen für den NSDAP-Erfolg in der Grafschaft

VON DINA NIEHAUS; DENNIS STEGMERTEN; SIMON REEFMANN

Literatur: Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006

Für diesen rasanten und mitreißenden Aufstieg der NSDAP spielen viele Faktoren eine Rolle. Der wichtigste ist wohl der hohe Anteil an Protestanten in der Grafschaft. Deutlich wird das an den Wahlergebnissen vom protestantischen Georgsdorf mit 97,5% Protestanten und dem katholischen Wietmarschen mit 2,6% Protestanten. In Georgsdorf erhielt die NSDAP 1933 90,4% der Stimmen. In Wietmarschen bekam sie lediglich 6,0% der Stimmen [Vgl. Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006, S. 280f.]. Das ist darauf zurückzuführen, dass vor allem evangelische Pastoren wie zum Beispiel der Uelsener Theologe Peter Schuhmacher großen Einfluss auf die Bevölkerung hatten. Schuhmacher äußerte sich zwar nicht wie andere Kollegen positiv zu den Nationalsozialisten, aber machte durch seine Neutralität gegenüber der Politik den Nationalsozialisten den Weg frei. Die katholischen Pastoren bezogen meist Stellung gegenüber den Nationalsozialisten, so dass die Nationalsozialisten in den wenigen katholischen Gemeinden keinen Erfolg hatten. Außerdem gab es mit dem „Zentrum“ eine katholische Partei, während sich die Protestanten auf mehrere Parteien verteilten. In den protestantischen Gebieten war es dagegen sehr leicht zu überzeugen und Stimmen zu sammeln, denn die Grafschafter waren bis dahin kaum politisiert. Es gab kaum feste Bindungen an eine Partei und deshalb war die Haltung der evangelischen Pastoren und der evangelischen Kirche das ausschlaggebende Element bei der Wahl [Vgl. Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 111. Osnabrück 2006, S. 281].
Ein weiterer Grund war die gute Organisation. Keine andere Partei war so gut organisiert und verfügte über so junge und beliebte Mitglieder wie die NSDAP. Selbst die emsländische NSDAP blickte bewundernd auf die Grafschaft. Im Emsland blieb die NSDAP gegenüber der Grafschafter NSDAP nur eine „mit einem Negativimage behaftete Außenseiterpartei“ [Vgl. Lönning, Martin: „ Die Durchsetzung nationalsozialistischer Herrschaft im Emsland (1933-1935)“. In: Beiträge zur Geschichte 12. 1996, S. 141]. Die Grafschafter NSDAP hingegen organisierte viele Veranstaltungen für die Bevölkerung. Es fanden „Deutsche Abende“ statt, auf denen die schon erwähnten Redner auftraten. Aber auch das Medium Film wurde genutzt, um die Ideologie zu verbreiten. Diese Ereignisse waren für die damalige Bevölkerung etwas Außergewöhnliches und sorgten für Wohlwollen gegenüber der Partei.
Nicht zu unterschätzen sind auch die beruflichen und gesellschaftlichen Anreize, die eine Mitgliedschaft bei der NSDAP mit sich brachten. Vor allem jungen Menschen gab die NSDAP die Chance, aus dem eintönigen Landleben der Grafschaft zu entfliehen.
Als letztes sind noch die Zeitungen zu nennen, die zum größten Teil eine NSDAP- freundliche Einstellung zeigten und teilweise sogar eine offensiv unterstützende Rolle einnahmen. Die auflagenstärksten Zeitungen, die von der Verlegerfamilie Kip veröffentlicht wurden, orientierten sich, laut Herrn Lensing, nach 1930 parallel zum Erfolg der NSDAP immer weiter nach rechts. Nur sehr wenige Zeitungen, wie der „Nordhorner Anzeiger“, machten gegen die Partei Stimmung [Vgl. Lensing, Helmut: „Der Aufstiege der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Grafschaft Bentheim 1923-1933“. In: Osnabrücker Miteilungen Bd. 111. Osnabrück 2006, S. 277 ff.].

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