Straßenumbenennungen in Bad Bentheim nach 1933

VON TOBIAS BEUEL

Bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 kam es in vielen deutschen Städten zu Umbenennungen von Straßen und Plätzen.
Fast jede Stadt besaß damals eine eigene „Adolf-Hitler-Straße“ oder auch einen „Adolf-Hitler-Platz“. Aber auch nach anderen Personen, denen die Ideologie der Nationalsozialisten eine besonderen Platz einräumte, wurden Straßen benannt. Dazu gehörten z.B. Hindenburg oder Hermann Göring.
Sehr häufig wurde dabei Straßen ein neuer Name gegeben, die vorher nach einer jüdischen Person oder bedeutenden Sozialdemokraten benannt waren.

Auch Bad Bentheim blieb von diesem Vorgehen nicht verschont. So führte bald eine Adolf-Hitler-Straße durch die Stadt, und der ehemalige Reichspräsident Paul von Hindenburg wurde ebenfalls geehrt. Im Einzelnen besaßen folgende Straßen von 1933 bis 1945 einen anderen Namen:

 Wilhelmstraße
Name von 1933-1945: Straße der SA

SA
Sturmabteilung (SA), gegründet 1921 als „militärischer Arm“ der NSDAP. Im November 1923 am fehlgeschlagenen Hitlerputsch beteiligt. Beging während der Weimarer Republik zahlreiche Mord- und Bombenanschläge und lieferte sich häufig Straßenschlachten mit den Wehrverbänden anderer Parteien, insbesondere dem kommunistischen „Roten Frontkämpferbund“. Die Mitgliederzahl wuchs von 1930 bis 1934 von 60.000 auf über 4 Millionen an und stellte nach der Machtübernahme eine gefährliche innerparteiliche Macht dar. Dies veranlasste Hitler, am 30. Juni 1934 die gesamte Führungsschicht der SA umbringen zu lassen. Er begründete diese Tat damit, dass der damalige Stabschef der SA, Ernst Röhm, einen Putsch, den s.g. „Röhm-Putsch“, geplant habe.
Danach geriet die SA in politische Bedeutungslosigkeit uns spielte in den nächsten Jahren kaum noch eine Rolle

 Hilgenstiege
Name von 1933-1945: Adolf-Hitler-Straße

Adolf Hitler
Geboren 1889 in Österreich, deutscher Politiker und Diktator. Trat 1919 der später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei umbenannten Deutschen Arbeiterpartei bei und wurde 1921 deren Vorsitzender. Versuchte 1923 einen Putsch, der jedoch scheiterte. Hitler wurde verhaftet und die NSDAP verboten. Er wurde 1924 jedoch wieder entlassen und gründete die NSDAP daraufhin neu. Es folgte der stetige Aufstieg der Partei, der darin seinen Höhepunkt fand, dass die Partei bei den Reichstagswahlen im November 1932 stärkste Kraft wurde. Hitler wurde daraufhin am 30. Januar 1933 von Reichspräsident von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.
In der Folgezeit errichtete die NSDAP eine Diktatur, in der alle anderen Parteien verboten waren und politische Gegner massiv verfolgt wurden. Außerdem betrieb sie eine systematische Entrechtung der Juden und anderer Minderheiten in Deutschland und später in anderen europäischen Ländern,die in der s.g. „Endlösung“ ihren Gipfel fand, in deren Verlauf über 6 Millionen Juden ermordet wurden.
1939 begann der Zweite Weltkrieg durch den Einmarsch der deutschen Reichswehr in Polen.
Die Herrschaft der Nationalsozialisten endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, nachdem Hitler sich bereits am 30. April umgebracht hatte.

 Eisenbahnstraße
Name von 1933-1945: Leo-Schlageter-Straße

Albert Leo Schlageter
Geboren am 12. August 1894. War ein deutscher Freikorpskämpfer und u.a. beim rechten Kapp-Putsch beteiligt. Bei der Besetzung des Ruhrgebiets 1923 durch die Franzosen war er im aktiven Widerstand tätig und leitete dabei einen illegalen Stoßtrupp. Dieser verübt Sprengstoffanschläge auf Eisenbahnlinien und andere Sabotageaktionen. Am 7. April 1923 wurde er von den Franzosen gefasst und für den Vorwurf der Sabotage und Spionage zum Tode verurteilt. Am 26. April 1923 wurde er hingerichtet.Nach seinem Tod wurde Schlageter von den Nationalsozialisten zum Märtyrer erklärt und massiv in ihrer Propaganda eingespannt. Nach der Machtergreifung 1933 wurden in zahlreichen Städten Straßen und Plätze nach ihm benannt.

 Nordring
Name von 1933-1945: Hindenburg-Straße

Paul von Hindenburg
Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg war ein deutscher Politiker und Militär. Geboren 1847, schlug er nach seiner Schulzeit die Militärkarriere ein. Im Ersten Weltkrieg errang er als Oberbefehlshaber der 8. Armee einen überragenden Sieg gegen die 2. russische Armee in der so genannten „Schlacht bei Tangenberg“. Nach diesem Sieg entstand ein regelrechter Mythos um den „Sieger von Tangenberg“ und sein Ansehensgewinn in der deutschen Öffentlichkeit begünstigte stark seine spätere Karriere.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs verbreitete er die „Dolchstoßlegende“, mit der er die Schuld für die Niederlage den demokratischen Parteien in Deutschland anlasten wollte.
1925 wurde er zum Reichspräsidenten gewählt und 1932 für eine zweite Amtswahl bestätigt.
1933 ernannte er auf Drängen seiner Berater Adolf Hitler zum Reichskanzler, obwohl er eine große Abneigung diesen hegte. Im Februar 1933 unterschrieb er die von den Nationalsozialisten vorbereitete „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“, die nach dem Reichstagsbrand in der Nacht zuvor wesentliche Teile der Verfassung außer Kraft setzte und so eine Voraussetzung für die Nationalsozialisten schuf, die Demokratie in Deutschland nach und nach abzuschaffen und ihr diktatorisches Regime zu errichten. Nur einen Monat später unterzeichnete er auch das Ermächtigungsgesetz, das der Regierung die Möglichkeit gab, Gesetze zu erlassen, wodurch das Parlament quasi ausgeschaltet wurde.
Am 2. August 1934 starb von Hindenburg im Alter von 86 Jahren und wurde im Denkmal der Schlacht bei Tannenberg beigesetzt.

 Neustadtstraße
Name von 1933-1945: Franz-Seldte-Straße

Franz Seldte
Geboren am 29. Juni 1882. War Gründer des Stahlhelm, einer republikfeindlichen Organisation ehemaliger Frontsoldaten in der Weimarer Republik. Im Kabinett unter Hitler 1933 war er erster Reichsarbeitsminister. Später trat er der NSDAP bei und wurde Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er unter dem Vorwurf von Kriegsverbrechen verhaftet und starb am 1. April 1947 in der Gefangenschaft.

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